Urlaubsromantik ist ein bekanntes Phänomen — und mit ihr steigt das Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten (STD). Das RKI weist darauf hin, dass ReiserückkehrerInnen signifikant häufiger mit STD diagnostiziert werden als die Durchschnittsbevölkerung. Eine aktuelle Studie des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zeigt, dass Infektionsraten mit Chlamydien, Gonorrhoe und Syphilis in Europa kontinuierlich steigen.
Die häufigsten STDs im Überblick
Chlamydien (Chlamydia trachomatis)
Die häufigste bakterielle STD weltweit. In Deutschland werden jährlich über 100.000 Fälle gemeldet (RKI-Daten), die wahre Zahl liegt jedoch deutlich höher, da viele Infektionen unbemerkt bleiben.
**Symptome:** Bei Frauen oft symptomlos; möglicher Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Unterleibsschmerzen. Bei Männern Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen.**Behandlung:** Antibiotikum (Doxycyclin 100 mg 2x täglich für 7 Tage oder Azithromycin 1g einmalig)**Unbehandelt:** Bei Frauen kann es zu Beckenbodenentzündungen und Unfruchtbarkeit führenGonorrhoe (Tripper)
Die zweithäufigste bakterielle STD. Problematisch: zunehmende Antibiotika-Resistenzen, besonders in Südostasien.
**Symptome:** Bei Männern eitriger Ausfluss und Brennen beim Wasserlassen (2–7 Tage nach Infektion). Bei Frauen oft symptomlos.**Behandlung:** Dual-Therapie mit Ceftriaxon (Injektion) + Azithromycin (Tablette) — wegen Resistenzen**Wichtig:** Resistenzen gegen Ceftriaxon nehmen weltweit zu. Eine Kultur mit Resistenztestung ist wichtigSyphilis (Lues)
Eine Multisystem-Erkrankung mit vier Stadien. Die Zahlen steigen in Deutschland seit Jahren an.
**Primärstadium:** Schmerzloses Geschwür (Ulcus durum) an der Eintrittsstelle (Genital, Anal, Oral) nach 2–3 Wochen**Sekundärstadium:** Hautausschlag (auch Handflächen und Fußsohlen!), grippeähnliche Symptome nach 4–8 Wochen**Latenz:** Ohne Symptome, aber positiver Bluttest**Tertiärstadium:** Jahre bis Jahrzehnte später — Organzerstörung, neurologische Schäden**Behandlung:** Penicillin G (Intravenös) in allen StadienHPV (Humane Papillomviren)
Die häufigste virale STD weltweit. Über 40 Typen können den Genitaltrakt infizieren.
**Hochrisikotypen** (HPV 16, 18): verursachen Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Mund-Rachen-Krebs**Niedrigrisikotypen** (HPV 6, 11): verursachen Genitalwarzen (Kondylome)**Impfung verfügbar:** Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für Jungen und Mädchen (9–14 Jahre), seit 2024 auch für Personen bis 26 Jahre (Frauen) bzw. 21 Jahre (Männer) als Catch-upGenitalherpes (HSV)
Verursacht durch Herpes-simplex-Virus Typ 1 oder 2**Symptome:** Schmerzhafte Bläschen und Geschwüre im Genitalbereich, grippeähnliche Symptome beim ersten Ausbruch**Behandlung:** Virostatikum (Aciclovir-Tabletten oder Salbe) — lindert Symptome, heilt aber nicht (Virus bleibt im Körper)HIV
**Übertragung:** Sexuell, durch Blut (Nadeln, Transfusionen in bestimmten Ländern), Mutter-zu-Kind**Symptome:** 2–4 Wochen nach Infektion grippeähnliches Bild (akute Retrovirale Syndrom), dann jahrelange Latenz**PEP (Postexpositionelle Prophylaxe):** Nach möglichem Kontakt innerhalb von 24, spätestens 72 Stunden starten — Kombination aus 3 antiretroviralen Medikamenten für 28 Tage**PrEP (Präexpositionelle Prophylaxe):** Für Personen mit hohem Risiko — tägliche Einnahme von Tenofovir/Emtricitabin schützt zuverlässig vor HIVPrävention: Was wirklich schützt
Kondome
Der wichtigste Schutz gegen fast alle STDs — **aber nicht 100 %**:
Schützen zuverlässig gegen HIV, Chlamydien, GonorrhoeSchützen weniger gut gegen HPV und Herpes (diese auch durch Haut-zu-Haut-Kontakt übertragen)Nur mit **Wasserbasis-Gleittgel** verwenden (Öl, Vaseline, Lotionen greifen Latex an!)Auf **Haltbarkeitsdatum** und **CE-Kennzeichnung** achtenBei Hitze (Handschuhfach, pralle Sonne) zerfällt Latex — Kondome kühl lagernHPV-Impfung
Die STIKO empfiehlt die HPV-Impfung für:
**Mädchen und Jungen 9–14 Jahre** (2 Dosen im Abstand von 5–13 Monaten)**Catch-up bis 17 Jahre** (3 Dosen)Seit 2024 erweitert: **Frauen bis 26 Jahre**, **MSM bis 26 Jahre**Der Impfstoff (Gardasil 9) schützt gegen 9 HPV-Typen und bietet Schutz vor ca. 90 % aller Gebärmutterhalskrebserkrankungen.
Vorsorge-Untersuchungen
Sexuell aktive Frauen: jährliche Chlamydien-Screening (bis 25 Jahre von der Kasse bezahlt)Bei wechselnden Sexualpartnern: regelmäßige STD-Checks (alle 6–12 Monate)Nach ungeschütztem Verkehr im Urlaub: **nach 2–4 Wochen testen lassen** (Fensterperiode beachten)STD-Check nach der Reise
Nach ungeschütztem Sex im Urlaub sollte ein STD- Screening durchgeführt werden:
**Chlamydien und Gonorrhoe:** PCR-Test (Urin oder Abstrich) — ab 1–2 Wochen nach Kontakt**Syphilis:** Bluttest (TPHA/VDRL) — ab 3–6 Wochen nach Kontakt**HIV:** Bluttest (Antikörper + p24-Antigen) — ab 2–6 Wochen nach Kontakt**Hepatitis B und C:** Bluttest — ab 6–12 Wochen nach Kontakt**Anlaufstellen:** Hausarzt, Urologe, Gynäkologe, Hautarzt, Gesundheitsamt (anonym und kostenlos).
Quellen
Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber — Sexuell übertragbare InfektionenECDC: Sexually Transmitted Infections in Europe — Annual Surveillance ReportSTIKO: Empfehlungen zur HPV-Impfung (Epidemiologisches Bulletin 2024)Deutsche Aidshilfe: Prävention und Beratung zu HIV und STD