Gesundheit

Reisethrombose 2026: Risiko beim Fliegen und Vorbeugung

30. Juni 20267 Min LesezeitRiskVector Redaktion

Eine Reisethrombose — auch „Economy-Class-Syndrom" genannt — ist eine tief venöse Thrombose (TVT), die im Zusammenhang mit langen Reisen auftritt. Das Risiko steigt bei Flügen ab vier Stunden und nimmt mit der Dauer der Reise weiter zu. Schätzungen zufolge erleiden etwa 1 bis 6 von 1.000 Langstreckenfliegern eine symptomatische Venenthrombose. Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) hat detaillierte Leitlinien zur Prävention veröffentlicht.

Warum entstehen Thrombosen beim Fliegen?

Drei Faktoren kommen beim Sitzen in engen Flugzeugen zusammen (die sogenannte **Virchow-Trias**):

  • **Verminderte Blutströmung** — die Beinmuskelpumpe, die das venöse Blut zum Herzen zurücktransportiert, arbeitet nicht, wenn man sitzt
  • **Veränderung der Blutzusammensetzung** — durch Dehydration und niedrigen Kabinendruck wird das Blut „dicker" (höhere Viskosität)
  • **Gefäßveränderung** — der Druck auf die Venen durch die Sitzkante kann die Gefäßwand reizen
  • Hinzu kommt der **niedrige Kabinendruck** in der Flugzeugkabine (entspricht etwa dem Druck auf 2.400 Meter Höhe), der die Gefäße erweitert und den Blutfluss verlangsamt.

    Wer ist besonders gefährdet?

    Das Basis-Risiko für eine Thrombose auf einem Langstreckenflug (> 4 Stunden) liegt bei gesunden Erwachsenen bei etwa 1:1.000. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko jedoch erheblich:

    Hohes Risiko

  • **Vorherige Thrombose oder Lungenembolie** — Risiko 5- bis 10-fach erhöht
  • **Aktive Krebserkrankung**
  • **Kürzliche große Operation** (besonders Orthopädie, Abdominalchirurgie)
  • **Schwangerschaft und Wochenbett**
  • **Herzinsuffizienz**
  • **Thrombophilie** (erbliche oder erworbene Gerinnungsstörung, z.B. Faktor-V-Leiden)
  • Mittleres Risiko

  • **Alter über 60 Jahre**
  • **Adipositas** (BMI > 30)
  • **Hormonelle Kontrazeptiva** (Pille, Pflaster) oder Hormonersatztherapie
  • **Krampfadern**
  • **Lange Immobilität** (> 4 Stunden sitzend)
  • Niedriges Risiko

  • Gesunde Erwachsene unter 40 ohne Risikofaktoren
  • Vorbeugung: Was wirklich hilft

    Für alle Reisenden (niedriges Risiko)

  • **Viel trinken** — mindestens 250 ml Wasser pro Flugstunde (kein Alkohol, kein Koffein in großen Mengen)
  • **Regelmäßig bewegen** — mindestens alle 2 Stunden für 5–10 Minuten im Gang auf und ab gehen
  • **Wadenübungen am Platz** — Fußwippen, Kreisen der Fußgelenke, Anspannen der Wadenmuskulatur (jede Viertelstunde)
  • **Bequeme Kleidung** — nichts, was in der Leiste oder an den Waden einschnürt
  • **Keine schlaffördernden Medikamente**, die einen längeren Stillstand verursachen
  • Kompressionsstrümpfe

    Medizinische **Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse I** (18–21 mmHg am Knöchel) oder Klasse II (23–32 mmHg) reduzieren das Thromboserisiko nachweislich. Eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration zeigte eine Reduktion symptomatischer tiefer Venenthrombosen um über 90 % bei Langstreckenfliegern.

    Die Strümpfe müssen **passen** — die Beine sollten vor der Reise gemessen werden. Zu enge Strümpfe können das Risiko paradox erhöhen.

    Empfehlung: Kompressionsstrümpfe für alle Reisenden mit **mindestens einem Risikofaktor** auf Flügen über 4 Stunden.

    Medikamentöse Prophylaxe

    Die Gabe von **Heparin** (niedermolekulares Heparin, z.B. Enoxaparin) wird empfohlen für Reisende mit **hohem Thromboserisiko**:

  • Eine Injektion etwa 2–4 Stunden vor dem Flug
  • Dosierung: individuell vom Arzt festgelegt
  • Bei sehr hohem Risiko: zusätzliche Gabe nach dem Flug
  • Die Einnahme von **ASS (Aspirin)** zur Thromboseprophylaxe wird **nicht empfohlen** — die Wirksamkeit ist für venöse Thrombosen nicht belegt, das Blutungsrisiko jedoch real.

    Warnsymptome erkennen

    Eine Thrombose macht sich oft erst nach dem Flug bemerkbar — manchmal Tage oder Wochen später:

  • **Schwellung** eines Beins (meist Wade oder Unterschenkel)
  • **Schmerz oder Druckschmerz** in der Wade, der beim Gehen zunimmt
  • **Überwärmung** und **Rötung** der Haut
  • **Spannungsgefühl** im Bein
  • Bei einer **Lungenembolie** (lebensgefährliche Komplikation):

  • Plötzliche Atemnot
  • Brustschmerzen (besonders beim Einatmen)
  • Husten, evtl. blutiger Auswurf
  • Herzrasen, Schwindel, Kreislaufkollaps
  • Bei diesen Symptomen: sofort den Notruf (112)!

    Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA): S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie
  • Cochrane Collaboration: Compression stockings for preventing deep vein thrombosis in airline passengers
  • Flugmedizinisches Institut der Luftwaffe: Reisethrombose — Ratgeber für flugreisende Passagiere
  • Robert Koch-Institut (RKI): Gesundheitsberichterstattung — Venenthrombose und Lungenembolie
  • #Reisethrombose#Fliegen#Thrombose#Kompressionsstrümpfe#DGA#Venenthrombose#Gesundheit
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